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Paris mit Handicap

Paris mit Handicap

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Spontaner Kurztrip in die Seine-Metropole

Als Morgens beim Frühstücksfernsehen die ZDF-Paris-Korrespondentin vom Champs-Élysées berichtete, war im Hintergrund der verhüllte Triumphbogen zu sehen. Mein Mann sagte beiläufig zu mir: “Den würde ich mir ja gerne mal barrierefrei aus der Nähe angucken”. Und ich so: “Da müssen wir uns aber beeilen, die Verhüllungsaktion dauert nur noch 10 Tage”. Und er daraufhin ungläubig: “Kann ja gar nicht sein. So ein Aufwand wird doch nicht für so einen kurzen Zeitraum betrieben…”

Trotz Handicap: Franzi mit dem TravelScoot vor dem verhüllten Arc de Triomphe
Franzi strahlt mit der Sonne um die Wette!

Ich sollte Recht behalten und da wir unbedingt noch den Arc de Triomphe sehen wollten, solange er noch verhüllt ist, fanden wir uns nur fünf Tage später in Paris wieder. Und ich kann nur sagen: Paris mit Handicap hat sich wirklich gelohnt: Das letzte Werk von Christo war wirklich beeindruckend! Schon als wir auf der Champs-Élysées auf den Triumphbogen zufahren, verschlägt es uns die Sprache. Die weißen Stoffbahnen bewegen sich lebendig im Wind und strahlen vor einem gemalten blauen Himmel im Sonnenschein. Nachdem wir unser Auto in einer Nebenstraße geparkt haben, nehmen wir das beeindruckende Werk von Nahem in Augenschein. Und wir sind echt geflasht! Christo ist es mal wieder in einzigartiger Weise gelungen durch seine Verpackungskunst ein kriegsverherrliches Monument in ein Kunstwerk zu verwandeln und in einen anderen friedvolleren Kontext zu setzen. Wir können uns gar nicht satt sehen und sind überglücklich, dass wir uns Paris mit Handicap zugetraut haben!

Die schwierige Suche nach einem barrierefreien Hotel

Die breiten Gehwege und die abgesenkten Bordsteine in Paris bieten viel Barrierefreiheit.
Beschwippst in Paris…

Aber der Reihe nach: Bei der Hotelssuche gibt es einige Fallstricke zu beachten. Das Label “Behindertenfreundlich” bei booking.com bedeutet evt. zwar, dass man nicht unfreundlich zu Behinderten ist, mehr aber auch nicht. Beim ersten angefragten Hotel, stellte sich auf Nachfrage heraus, dass der Fahrstuhl zu klein für einen Rollstuhl oder Scooter ist. Beim Zweiten, ist der Fahrstuhl zwar groß genug, hält nur dummerweise auf halber Treppe. Zum Glück sind wir dann auf das Hotel de l’Esperance gestoßen: barrierefreier Eingang, barrierefreies Zimmer im Erdgeschoss mit großzügigem Bad und zu guter letzt noch ein Rolli-Parkplatz keine 50 Meter entfernt. Und das ganze im 5. Arrondisment, einem Pariser Wohnviertel mit vielen netten Lokalen und Läden. Und die berühmte Rue Mouffetard mit ihren vielen internationalen Restaurants und Imbissen ist auch nur einen Steinwurf entfernt. Nach einer neunstündigen Autofahrt und dem kurzen Checkin im Hotel landen wir im Issa Paris, einem netten Sushi-Lokal, von dem wir nach einem Menu Ami und einer leckeren Flasche Clèmentines Blanc beschwingt den Heimweg antreten.

Das 5. Arrondisement – lebendiges Wohnviertel und Freiluftpromenade

Franzi erkundet mit ihrem TravelScoot die Rue Mouffetard.
Morgenstimmung auf der Rue Mouffetard.

Ich liebe es in ein Stadtviertel einzutauchen. Mein Tipp für alle Paris-Reisenden: Sucht euch ein Hotel in einem schönen Quartier, in dem auch viele Pariser leben. Die Nähe zu irgendwelchen Sightseeing-Highlights ist erstmal zweitrangig. Und dann lernt zunächst erstmal ein wenig „euer“ Viertel kennen und bekommt ein Gefühl für die Stadt, bevor ihr nur von einem Monument zum nächsten jagd. Wir haben uns bewusst für ein Hotel im 5. Arrondissement entschieden. Denn rundherum gibt es viele normale Läden, etliche Bäckereien, Lebensmittel-Geschäfte, Weinhandlungen, Wäschereien ect. Es ist total schön, hier morgens erstmal einen petit café au bar zu trinken und die Leute zu beobachten. Die junge Familie, die ihre drei Kinder plus Matratze und Bettgestell in einen Kleinwagen bugsiert. Der ältere Herr, der mit seinem Hackenporsche Besorgungen macht. Oder die Jungs von der Straßenreinigung, die erstmal ganz entspannt Frühstückspause machen… Und Abends kann man hier einfach um die Ecke gehen, eine Kleinigkeit essen und noch einen Absacker nehmen. Da, wo sympathische Menschen sitzen und ein schöne Stimmung ist. Ein bisschen savoir-vivre eben…

Paris mit Handicap? Die Seine-Metropole ist zwar nicht barrierefrei, aber auch für Menschen mit Gehbehinderung machbar!

Barrierefreier Blick von der Pont Alexandre III auf den Eiffelturm.
Blick von der Pont Alexandre III auf den Eiffelturm.

Zwei überraschende Erkenntnisse über Paris: erstens: der Eifelturm steht noch (Siehe Beweisfoto!) Und zweitens: Paris ist auch für Menschen mit Gehbehinderung machbar! Es gibt überwiegend breite Bürgersteige und bei jedem Überweg abgesenkte Bordsteine, was das Fahren mit dem Scooter sehr angenehm macht. Was die öffentlichen Verkehrsmittel angeht: Alle Busse sind mit Rampen ausgestattet, die Metro ist aus nachvollziehbaren Gründen größtenteils leider nicht barrierefrei. Deswegen habe ich meinen privaten Chauffeur dabei. Was für uns super hilfreich ist, ist eine Karte auf der alle Rolliparkplätze verzeichnet sind. Aber auch sonst finden sich immer wieder freie Parkplätze, die ihr mit dem europäischen Parkausweis kostenlos nutzen könnt. Ebenfalls hilfreich: die Karte mit allen öffentlichen Toiletten. Wenn du auf die Toiletten Symbole raufklickst siehst du, ob die Toilette barrierefrei ist oder nicht. Übrigens: das Foto mit dem Eifelturm im Hintergrund ist von der wunderschönen Jugendstil-Brücke Pont Alexandre III aus entstanden…

Paris hat auch kulinarisch viel zu bieten – leider nicht immer barrierefrei…

Paris und Savoir Vivre sind für mich untrennbar miteinander verbunden. Morgens einen Café au lait und ein Pain au Chocolat im Straßencafé, Mittags ein Ficelle im Park oder am Seine-Ufer und Abends ein Menü mit Blick auf Notre-Dame.

Typisches Pariser Straßenbild: breite barrierefreie Bürgersteige und abgesenkte Bordsteine machen Paris auch für gehbehinderte Menschen mit Handicap attraktiv.
Typisches Pariser Straßenbild: breite Bürgersteige und abgesenkte Bordsteine.

Leider sind die Tische in den meisten Restaurants und Bistros sehr eng gestellt, so dass es sehr schwer ist hindurchzukommen. An unserem ersten Abend waren wir im Issa Paris, einem japanischen Restaurant bei uns um die Ecke – leider mit einer Stufe am Eingang, aber zumindest mit ebenerdiger Toilette… Und das Essen? Frisch, aromatisch, tolles Sashimi, leckere Dips ein unkomplizierter spritziger Weißwein und als Dessert eine Mandelcreme zum Niederknien. Da konnte mein Mann seinen „Räuberlöffel“ blank wieder zurück gehen lassen Das Konzept des Restaurants ist ein Menu Ami, also ein Menu, bei dem alle Gänge hintereinander serviert werden und man sich den Gang teilt. Also ist mal für den einen was dabei, mal für den anderen und alle kommen auf ihre Kosten. Finde ich super – nur beim Dessert hört bei mir halt die Freundschaft auf…


Barrierefrei ist leider nur der Blick auf Notre Dame…

Dinner mit barrierefreiem Blick auf Notre Dame.
Dinner mit Blick auf Notre Dame.

An unserem zweiten Abend haben wir im Comme Chai Toi mit einem traumhaften Blick auf Notre-Dame diniert. Das unprätentiöse französische Restaurant wird bei Tripadvisor zwar als rollstuhlgerecht gelistet, ist aber leider nicht barrierefrei, denn am Eingang sind drei Stufen zu überwinden. Es gibt zwar ausfahrbare Schien, aber diese waren so steil, dass ich mich mein Mann lieber hinein getragen hat. Von unserem Platz im (engen) WIntergarten hatten wir einen tollen Blick auf Notre Dame und konnten das abendliche Treiben auf dem Quai de Montebello beobachten. Ich hatte einen gebackenen getrüffelten Brie, danach Steinpilz-Risotto mit Jakobsmuscheln und zum Dessert ein French Toast mit gesalzenem Carameleis!
Um unsere Urlaubskasse nicht zu sprengen und weil wir Abends von den ganzen Eindrücken auch einfach platt waren, haben wir uns an unserem letzten Abend auf der Rue Mouffetard einfach etwas auf die Hand geholt. Die Rue M. ist eine günstige Fressmeile mit internationalem Angebot: Mexikanisch, Koreanisch, Japanisch, Libanesisch, Türkisch – es gibt alles was das Herz begehrt zu studentischen Preisen.

Unterwegs mit Handicap im Jardin du Plantes

Barrierefrei unterwegs im Jardin du Plantes in Paris.
Endlose Platanen-Allee im Jardin du Plantes.

An unserem zweiten Tag in Paris haben wir eine kleine Spazierfahrt durch unser Viertel unternommen. Nach unserem obligatorischen Petit Café mit Croissant in unserer Lieblings-Boulangerie haben wir zunächst an der blauen Moschee vorbei geschaut und sind dann weiter durch den Jardin des Plantes weiter Richtung Seine gefahren.
Der historische Park mit dem tollen botanischen Garten aus dem 17. Jrh. ist wirklich traumhaft schön – kilometerlange Platanen-Alleen mit vielen Bänken, hunderte Stauden und botanische Raritäten.
Außerdem gibt es tolle Gewächshäuser und einen alpinen Garten – Und sogar einen Toilettencontainer mit einem barrierefreien WC. Mein Tipp: nehmt euch ein kleines Picknick mit und genießt dann auf einer Bank den Blick durch die wunderschöne Parkanlage und eure kleinen Leckereichen.

Fazit: Paris mit Handicap bedarf einer guten Planung!

Wie Eingangs schon erwähnt war für uns die Auswahl des Hotels ein entscheidener Faktor für das Gelingen unseres Paris-Aufenthalts. Ein barrierefreies Hotel in einem netten Viertel bietet den Vorteil, dass du direkt bei dir um die Ecke ins Pariser Leben eintauchen kannst, ohne immer erst fahren zu müssen. Wir haben dann mit dem Auto einige Punkte angesteuert, von denen aus, wir uns dann einige Sehenswürdigkeiten, wie Arc de Triopmhe, Eiffelturm oder Notre Dame angesehen habe. Sehr hilfreich waren dafür die oben genannten Websites mit dem Verzeichnis der öffentlichen Toiletten und der Behinderten-Parkplätze. Ein Wort zu den öffentlichen Toiletten: Einige Sanisettes haben eine Selbstreinigungsfunktion. Du musst also erst warten, wenn jemand vor dir da war, bevor du die Örtlichkeit betreten kannst, sonst lässt sich die Tür nicht schließen. Bei der Auswahl eines Restaurants verlässt du dich am Besten nur auf Bewertungen aus erster Hand, die du auf der empfehlenswerten Webiste von Wheelmap findest. Oder du suchst dir eine Café oder ein Bistro mit Außenbestuhlung in der Nähe einer behindertengerechten öffentlichen Toilette…

Selfie mit barrierfreien Blick auf den  verhüllten Triumphbogen.
Ein Polaroid für die Seele: Selfie am Arc de Triomphe

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